TUI DAS REISEUNTERNEHMEN HILFT KATZEN IN DER TÜRKEI

Katzen-Cafés statt Betteln am Tisch

 
 
 
Gut gefüllte Fressnäpfe: Katzen-Café beim Hotel Sensimar an der türkischen Riviera

 

Reiseveranstalter TUI setzt sich für Futterstationen abseits der Hotel-Restaurants ein - auch zur

Freude der Gäste

 

Von Chris Winteler

Ein rot getigertes Büsi sitzt jeden Morgen draussen vor dem Speisesaal,

schaut erwartungsvoll durch die Glastür. Es ist Kater Garfield, wie wir von

Anika Guse, der Gästebetreuerin im Hotel Sensimar an der türkischen Riviera,

erfahren. Garfield sei zwar verfressen, aber auch sehr gut erzogen: Nie würde er

das Restaurant betreten, selbst wenn die Glastür offenstünde. Er wartet, bis man

ihn begrüsst, ihm über den Kopf streichelt und mit ihm - und einer Portion Futter -

zum Katzen-Café spaziert.

Früher, erzählt die Deutsche, hätten die streunenden Katzen auf dem Hotelareal

für Reklamationen gesorgt. Die einen Gäste beschwerten sich, weil die Tiere um

ihre Füsse strichen, nach Essen bettelten, auf die Tische sprangen. Die andern

störten sich daran, wenn das Personal die Katzen mit einem Spritz Wasser

verscheuchte.

Nicht nur in der Türkei, in allen südlichen und östlichen Feriengebieten gelten

streunende Katzen in den Hotelanlagen als Plage. Der Reiseveranstalter TUI

begann deshalb vor drei Jahren zusammen mit einzelnen Hoteliers und dem

Europäischen Tier- und Naturschutzverein in Griechenland, Tunesien,

der Türkei und Spanien Futterstationen einzurichten, in denen Katzen abseits

von Restaurants und Speisesälen artgerechte Nahrung bekommen.

Die meisten sogenannten Katzen-Cafés, rund 40, stehen auf Lanzarote.

Die Katzen vom Hotel Sensimar sind die schönsten am Strand

Das Katzen-Café des Hotels Sensimar befindet sich ausserhalb der Anlage,

am Rande der Strandpromenade. 15 bis 20 Tiere kommen hier zu ihrem

Futter - und Anika Guse sagt nicht ohne Stolz: «Unsere Katzen sehen

wesentlich besser aus als alle anderen Katzen entlang des Strandes von Side.

» Die beiden Näpfchen sind meist gefüllt, das gelbe mit Wasser, das grüne

mit Trockenfutter. Nähert sich jemand dem Holzhäuschen, kommen sie angetrabt,

die feingliedrigen Kätzchen, getigert, gefleckt - scheu erst, zutraulich mit der Zeit.

Jetzt, in der Vorsaison, sitzen oft ältere Feriengäste auf der Bank neben dem

Katzen-Café, streicheln die Tiere, lassen sich von ihnen umgarnen.

Täglich packt Anika Guse Trockenfutter in Plastikbeutelchen, die vor dem Speisesaal

gekauft werden können. Viele der Gäste würden ein paar Euro in die Spendendose

stecken, so habe man immer genügend Geld für Katzenfutter. Sie rechnet vor:

«15 Kilogramm Trockenfutter kosten 40 Euro - das reicht gerade mal für zehn Tage.

» Die Gäste werden gebeten, die Katzen nicht mit Essen vom Buffet zu füttern.

Und das Personal hat die Weisung, nichts vom Grill für die Katzen herunterfallen

zu lassen - «egal wie rührselig das Kätzchen guckt». Das sei zum Vorteil von Mensch

und Tier. Anika Guse weiss, wovon sie spricht: Bevor die Katzen mit spezieller

Tiernahrung gefüttert wurden, hätten sie unter Blähungen gelitten. Es habe

fürchterlich gestunken.

Tipps und Informationen zum Umgang mit wilden Hunden und Katzen gibt der

«Streuner-Ratgeber», der in den TUI-Hotels aufliegt und die Gäste für das

Tierelend in ihrem Ferienland sensibilisieren soll. In der Broschüre steht, dass

man Katzen nicht mit Knochen von Geflügel füttern solle (Erstickungsgefahr),

dass Schinken, Salami oder Käse viel zu salzig und Zwiebeln, Knoblauch oder

Schokolade giftig für Hund und Katze seien. Nicht nur die Fütterung der Streuner

hat sich TUI zum Ziel gesetzt, sondern auch systematische Kastrationen, um

die rasche Vermehrung der Tiere - eine Katze wirft dreimal im Jahr Junge -

langfristig zu reduzieren, wie Roland Schmid vom Nachhaltigkeits-Management

von TUI Suisse sagt.

Auf Kreta überleben viele Katzen den Winter nicht

Besonders akut ist das Katzenproblem auf Kreta. Zwischen Oktober und April

fliegen keine Chartermaschinen auf die grösste griechische Insel. Die Touristenorte

sind verwaist, die Katzen wandern in die Dörfer, wo sie nicht willkommen sind.

Sie sind unterernährt, haben keine Abwehrkräfte, sehr viele überleben den Winter

nicht. TUI rät, Tierschutzvereine vor Ort, die Kastrationsaktionen durchführen,

mit einer Spende zu unterstützen.

Auch im Hotel Sensimar wird Geld für Kastrationen gesammelt. Kürzlich, so erzählt

Anika Guse, habe eine deutsche Tierliebhaberin über 200 Euro gespendet, «das reichte

für fünf Kastrationen». Man habe der Frau Fotos der Aktion als «Beweisbilder»

zugeschickt, denn die Befürchtung, das Geld werde nicht wie versprochen eingesetzt,

bestehe halt schon. Nächste Woche werden zwei weitere Kater unters Skalpell

kommen - einer davon wird Kater Garfield sein.

 

Publiziert am 20.03.2011

 

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