DER PERFEKTE HUND

 

Wie ist er, der perfekte Hund?

Ein süßer, kleiner Welpe, beim Züchter ausgesucht. Genau die Rasse, die
man schon immer haben wollte. Gesund, mit glänzendem Fell und
ausgezeichneten Papieren.

Seine Mama ist “best in show“. Der Papa zeugt nur herausragende Nachkommen. Wie stolz sind wir auf dieses wunderbare Hundebaby.

Mit diesem Hund wird es keine Schwierigkeiten geben.

Wohlbehütet und teuer bezahlt holen wir das neue Familienmitglied nach Hause.


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Oder ein anderer perfekter Hund!

Auf einer Tierschutzseite im Internet, zwischen vielen anderen Hunden die auf ein gutes Zuhause hoffen, sehen wir ihn.

Traurige Augen, zotteliges Fell, in letzter Minute aus schlechter Haltung gerettet. Oder war er ausgesetzt worden?

Was hat er wohl erlebt? Warum wollte man ihn nicht mehr?

Ja das ist er, ihm wollen wir ein neues Zuhause geben, zeigen, dass es
auch gute Menschen gibt. Er ist sicher viel dankbarer als ein Hund vom
Züchter. Doch, der wird froh sein, dass er überhaupt ein Dach über dem
Kopf hat.

Der arme Hund, lass uns die Fotos ausdrucken und allen Freunden und Bekannten zeigen, bis wir ihn bei uns haben.


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Der Welpe vom Züchter tapst wohlgenährt und super gepflegt in unser
Leben und sein neues Reich. Er kennt ja alles schon: auf dem Sofa
sitzen, regelmäßig gutes Essen und er lag schon immer in einem weichen
Bettchen.

Wir bemühen uns, dem Kleinen das Leben so angenehm wie möglich zu machen. Es darf ihm an nichts mangeln.

Er wächst heran und im Idealfall lieben wir ihn nicht nur wie am ersten
Tag, sondern immer mehr. Alle Widrigkeiten wurden gemeistert, seine
Unarten mit gekonntem Training und viel Geduld reguliert. Er weiß, was
„Sitz, Platz und Fuß laufen“ bedeutet, ist ein sozialisierter,
freundlicher und verträglicher Hund geworden. Das Baby, das noch geboren
 wurde, wird von ihm als weiteres Familienmitglied akzeptiert,
Essensreste können trotz Hund im Haus offen in der Küche stehen. Er
liegt fährt brav im Auto mit und benimmt sich im Restaurant unauffällig.

Ein perfekter Hund in einem perfekten Leben!



Dennoch ist es nicht selten, dass ein Welpe vom Züchter gekauft, im
Tierheim landet. Man wollte ihn haben, aber nichts für ihn tun. Na ja,
so ist es nun auch wieder nicht, der Hund hatte doch alles was ein
Hundeherz begehrt. Aber der war viel zu temperamentvoll, wollte einfach
nicht hören. Oder er war von Natur aus faul und verfressen.
Möglicherweise stimmte auch was nicht mit ihm, denn er zerstörte, was er
 fand. Dabei ließ man ihn doch nur ein paar Stunden amTag alleine.

Egal wie oft er spazieren geführt wurde, immer zog er an der Leine. Mit
Hündinnen ging es, aber die vielen Streitereien mit Rüden…!

Es gibt leider viele Gründe, warum es einfach nicht funktioniert. Seit
einiger Zeit sehen wir auf einigen Sendern im Fernsehen, dass man für
Hunde Trainer oder Hundeflüsterer engagiert. Aber wer braucht das schon,
 wir wissen doch wie der Hund zu erziehen ist und wenn das nicht klappt,
 liegt es am Hund, an der falschen Rasse am Züchter an der Genetik, aber
 auf keinen Fall an uns. Dann hat die Beziehung keinen Sinn und man muß
sich von dem Tier trennen.

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Heute ist der große Tag. Unser Hund fliegt von Mallorca nach Deutschland
 und wir holen ihn am Flughafen ab. Die Freude ist riesengroß, die
Videokamera bereit.

Dann endlich wird die Box von den Flugpaten zum Ausgang geschoben und wir können ihn in die Arme nehmen, unseren Hund.

Was musste er durchmachen und wie glücklich und dankbar wird er jetzt bei uns sein?

Er springt aus der Transportbox und begrüßt uns wedelnd. Ein Bad wäre nicht schlecht, denn er riecht nicht wirklich gut.

Wir streicheln und ermuntern ihn und er taut immer mehr auf. Er könnte
auch ängstlich schüchtern in der Box kauern, nicht wissend was hier mit
ihm passiert.

Sein überschwängliches Begrüßen ist in der Zukunft nicht wünschenswert.
[Ständig beschmutzt er mit seinen nassen Pfoten unsere Kleidung] und
unser Besuch ist auch schon genervt.

Wenn dieser Hund doch nur mehr aus sich raus käme, so langsam müsste er ja begriffen haben, dass wir es gut mit ihm meinen.

Wie lieb er mit allen anderen Hunden spielt, leider lässt er sich nicht
abrufen, und das ist nervig. Diese Pöbeleien mit anderen Hunden müssen
sehr schnell aufhören, das machen wir nun schon den zweiten Tag mit.

Der Hund hat doch Kauknochen, warum kaut er Frauchens Pumps. Wie lange
soll das denn noch dauern, bis er endlich stubenrein ist. Er ist doch
erwachsen, da hätten wir ja gleich einen Welpen nehmen können.

So war das alles nicht gedacht! Er muß doch froh sein, dass er hier sein
 darf und dann das... Die in Spanien sollen den Hund zurück nehmen, wir
wollten einen Hund, der ruhiger oder lebhafter, erzogen, stubenrein,
sauber, verspielter oder zurückhaltender, mehr ein Wachhund oder nicht
so wachsam wegen der Kinder, mit mehr Persönlichkeit oder mit lieber
weniger Persönlichkeit sein sollte. Vor allem aber sollte er dankbar
sein!

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Hierzu möchte ich sagen, dass jeder Hund - egal welche Rasse und egal
woher er kommt - ein wertvoller Hund ist. Er liebt dich mehr als alles
andere und du bist der schönste Mensch auf Erden. Egal wie spät du
kommst, er freut sich. Dein Hund isst mit dir einen Hamburger oder
Hummer, er schläft auf einem weichen Sofa oder einer einfachen Decke,
solange er bei dir liegen darf. Du verlierst vielleicht deinen Job,
wirst von deinem Partner betrogen und von Freunden enttäuscht. Dein Hund
 ist dir sicher. Alles was du für ihn tust, lohnt sich, jede Zeit die du
 mit ihm verbringst ist wertvoll.

Es braucht Zeit ihm alles beizubringen was er wissen muß und es braucht
Zeit ihn zu verstehen. Ihr beide sprecht verschiedene Sprachen und habt
unterschiedliche Vorstellungen vom Leben.

Das muß in Einklang gebracht werden.

Es ist völlig egal, ob ein Hund teuer vom Züchter gekauft wird oder aus einem Tierheim kommt.

Er sabbert, ist erst mal nicht stubenrein, zieht an der Leine, will
machen was er will. Kaut an Schuhen und klaut Essen vom Tisch.
Vielleicht ist er streitlustig oder extrem schüchtern. Nasse Hunde
riechen alle streng, aber mal ehrlich: ein ungeduschter Mensch riecht
nicht besser.

Durchfall kann er nicht wirklich ankündigen und so………….. nun, mit viel Glück trifft es nicht den teueren Teppich.

Ein Hund aus dem Tierschutz hat bereits eine Vergangenheit, die oft
nicht bekannt ist. Ein Hund vom Züchter muß alles neu lernen.

Egal für was sich jeder entscheidet: Kommt ein Hund ins Haus, ist nichts mehr wie es vorher war.

Aber es ist ein Abenteuer mit Jackpot, wenn man bereit ist, sich darauf
einzulassen, einiges zuzulassen und manches locker zu lassen.

Es braucht Entschlossenheit, Coolness, eine gesunde Einstellung zu sich
und dem Leben und immer den Film Scott und Huutch greifbar.

Wenn Sie bei diesem Film lachen und dabei sich und ihre Wohnung sehen und dann immer noch lachen, sind sie reif für einen Hund.

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